Briefe an das Selbst 02

Episode 3 – „Das Schweigen einer Frau“
Subina spricht nicht viel.
Nicht mehr.
Früher…
hatte sie Worte.
Viele Worte.
Sie lachte laut.
Erzählte.
Fühlte ohne Angst.
Heute…
wählt sie ihre Worte vorsichtig.
Manchmal sagt sie gar nichts.
Aber ihr Schweigen…
ist nicht leer.
Es ist voll.
Voll von Dingen,
die sie gelernt hat,
nicht zu sagen.
Worte können verletzen.
Das hat sie früh verstanden.
Ein falscher Satz…
ein falscher Moment…
und plötzlich wird alles schwer.
Also begann sie zu schweigen.
Nicht, weil sie nichts fühlt.
Sondern weil sie zu viel fühlt.
In ihr leben Sätze…
die nie ausgesprochen wurden.
Fragen…
die nie gestellt wurden.
Tränen…
die nie gesehen wurden.
Manchmal sitzt sie einfach da.
Neben anderen.
Und lächelt.
Ein ruhiges Lächeln.
Niemand merkt,
wie laut es in ihr ist.
Sie hat gelernt, stark zu wirken.
Ruhig zu bleiben.
Aber tief in ihr…
wünscht sie sich nur eines:
Dass jemand zuhört.
Wirklich zuhört.
Ohne zu urteilen.
Ohne zu unterbrechen.
Jemand,
der ihr Schweigen versteht…
ohne dass sie es erklären muss.
Denn ihr Schweigen…
ist keine Distanz.
Es ist Schutz.
Für ihr Herz.
Für ihre Würde.
Und vielleicht…
eines Tages…
wird sie wieder sprechen.
Nicht laut.
Aber ehrlich.
Und jemand wird da sein…
der nicht nur ihre Worte hört…
sondern sie.

Episode 4 – „Wenn niemand dich sieht“
Subina ist da.
Jeden Tag.
Immer.
Und doch…
fühlt es sich manchmal so an,
als würde niemand sie wirklich sehen.
Sie ist im Raum.
Sie spricht.
Sie lächelt.
Aber die Blicke gehen an ihr vorbei.
Als wäre sie…
nur ein Teil des Hintergrunds.
Es sind keine großen Dinge.
Keine lauten Verletzungen.
Es sind die kleinen Momente.
Wenn sie etwas sagt…
und niemand wirklich zuhört.
Wenn sie lacht…
und es niemand bemerkt.
Wenn sie da ist…
aber keiner innehält.
Und mit der Zeit…
beginnt sie zu zweifeln.
Nicht an den anderen.
Sondern an sich selbst.
„Bin ich zu leise?“
„Bin ich nicht genug?“
„Bin ich… unsichtbar?“
Diese Fragen…
sagen nichts laut.
Aber sie bleiben.
Tief.
Subina hat nie gelernt,
sich in den Vordergrund zu stellen.
Sie drängt sich nicht auf.
Sie fordert nicht.
Sie wartet.
Darauf,
dass jemand sie sieht…
ohne dass sie darum bitten muss.
Aber dieses Warten…
kann sehr leise weh tun.
Denn gesehen zu werden…
ist kein Luxus.
Es ist ein Bedürfnis.
Ein stilles, tiefes Bedürfnis…
verstanden zu werden.
Nicht für das, was man tut.
Sondern für das, was man ist.
Und irgendwo in ihr…
wächst ein leiser Wunsch.
Kein lauter Schrei.
Nur ein Gedanke:
„Vielleicht…
sollte ich mich selbst sehen.“
Vielleicht…
beginnt alles genau dort.