Schlusswort
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Ich habe diesen Roman in arabischer Sprache geschrieben — jener Sprache, die in ihrer lautlichen und morphologischen Struktur ein kollektives Gedächtnis von Jahrtausenden trägt.
Ich schrieb ihn in Deutschland, von einem Schreibtisch aus, der auf einen Wald blickt, der nichts von dem ähnelt, was ich aus meiner Kindheit kenne.
Und ich schrieb ihn über einen Menschen, der sich selbst in einem Museum sucht, das es nur in der Vorstellung gibt — erfüllt von den Stimmen all jener, die auf dieser Erde gelebt haben oder gestorben sind.
Wenn dieses Werk in einer einzigen Sache erfolgreich war, dann hoffe ich, dass es diese ist:
dass es jeden Leser — jeden beliebigen Leser — für einen Augenblick spüren lässt, dass er mit seinem Verlust weniger allein ist, und dass sein Gedächtnis — selbst das entstellte, das durchlöcherte, das ängstliche — es verdient, geachtet und erzählt zu werden.
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Wir glauben, die Ersten zu sein, die zu dieser Frage gelangen, während wir in Wahrheit nur ein Glied in der Kette derer sind, die vor uns an die Tür dieser Frage geklopft haben.
„Warum dieser Roman? Und warum hier? Und warum er?”
Jeder Roman hat mindestens zwei Schwellen:
die Schwelle des Lesers, der durch die Tür der Vorstellungskraft eintritt, und die Schwelle des Autors, der durch die Tür der Frage eintritt.
Dies ist eine Einladung an den Leser, einen Moment mit mir innezuhalten, bevor er das Buch schließt, damit wir unmittelbar über drei Entscheidungen sprechen, die das Rückgrat dieses Werkes bildeten:
Warum dieser Roman? Und warum Deutschland? Und warum der syrische Flüchtling?
— Erstens:
Das ferne Ziel und das unmittelbare Vorhaben
Als ich begann, über diesen Roman nachzudenken, schrieb ich keine Geschichte.
Ich stellte eine tiefere Frage:
Kann ein einziges literarisches Werk zugleich ein Museum des menschlichen Gedächtnisses sein und ein Spiegel der Einheit menschlicher Erfahrung — im Schicksal eines einzelnen, bestimmten Menschen, der seinen eigenen Riss in seiner eigenen Zeit durchlebt?
Das unmittelbare Ziel war mir von Anfang an klar:
Dieser Roman sollte ein enzyklopädischer Dialog sein, kein Anspruch auf Enzyklopädie.
Die Figuren sollten mit ihrer eigenen Stimme sprechen, mit der Logik ihrer Kultur, ihrer Zeit und ihres Leidens — und nicht schöne Fassaden sein, hinter denen allein die Gedanken des Autors stehen.
Der Leser sollte am Ende zweiundachtzig menschliche Stimmen gehört haben — vom ersten Teilchen bis zum überlebenden Mädchen — und dennoch das Gefühl haben, im Kern eine einzige Stimme vernommen zu haben:
die Stimme, die sagt:
Wir sind hier, und wir waren immer schon hier, und wir werden weiter fragen.
Doch das ferne Ziel reichte tiefer als dies.
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Ich wollte, dass dieser Roman drei Arten des Vergessens widersteht, die unsere Generation zugleich bedrohen:
Die erste Art ist das Vergessen der Wurzeln:
Der heutige Mensch, erdrückt von der Geschwindigkeit der Information und der Wucht der Gegenwart, vergisst leicht, dass er das Ergebnis einer gewaltigen, langen Anhäufung ist; dass jene vor ihm gebaut, gezweifelt, geliebt, geirrt und gelernt haben.
Und dass das, was er heute zu glauben meint, als Erster entdeckt zu haben, bereits die keltische Priesterin kannte, und Avicenna, und der persische Soldat — jeder in seiner eigenen Sprache und mit seinem eigenen Zeichen.
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Die zweite Art ist das Vergessen des Anderen:
In einer Welt, in der das Maß an Verschlossenheit, Stereotypisierung und Hass steigt, wollte ich einen Roman, der alle nebeneinanderstellt, ohne Hierarchie:
Die griechische Dichterin und die muslimische Gelehrte, die christliche Nonne und der zoroastrische Priester, die belarussische Aktivistin — sie sprechen über dieselben Fragen mit unterschiedlichen Antworten, und beweisen damit, dass Unterschied kein Widerspruch ist, sondern Reichtum.
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Die dritte Art ist das Vergessen des Selbst:
Samer sucht nicht nur nach einem im Kalender verlorenen Tag.
Er sucht nach einer alten Entscheidung, die er einst traf und sich dann fürchtete, ihr ins Auge zu blicken.
Und diese Art des Vergessens ist die verbreitetste und am wenigsten eingestandene:
wenn wir aus unserem Gedächtnis nicht das löschen, was uns geschmerzt hat, sondern das, was uns beschämt hat — nicht das, was wir verloren haben, sondern das, was wir gewählt haben und dessen Wahl wir dann bereuten.
Der Roman sagt dem Leser, auf indirekte Weise:
Blicke ohne Furcht auf deine eigenen Lücken.
Sie einzugestehen ist keine Schwäche — es ist die erste Voraussetzung der Freiheit.
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— Zweitens:
Deutschland, und die beiden Museen — das wirkliche und das imaginäre
Sucht man nach einem Land, das in seinem geografischen und historischen Wesen die größte Spannung zwischen Erinnerung und Vergessen trägt, zwischen Stolz und Scham, zwischen Zerstörung und Wiederaufbau, wird man Deutschland stets an erster Stelle finden.
Deutschland erlebte allein im zwanzigsten Jahrhundert zwei Weltkriege, dann eine jahrzehntelange doppelte Spaltung von Seele und Geografie, dann eine schmerzhafte Wiedervereinigung, die bis heute seelisch nicht ganz vollendet ist.
Und anstatt dieser ungeheuren Last mit Leugnung, Rechtfertigung oder bequemem Schweigen zu begegnen, entschied sich Deutschland — wenn auch unter größter Mühe und über lange Generationen hinweg —, seiner Erinnerung von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, bis es im Herzen seiner Hauptstadt Mahnmale für die Verbrechen seiner Vorfahren errichtete.
Diese moralische Kühnheit gegenüber dem eigenen Gedächtnis ist es, was Deutschland geografisch wie symbolisch am geeignetsten macht, das wirkliche und das imaginäre Museum zugleich zu beherbergen.
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Das wirkliche Museum in Deutschland ist kein einzelnes Gebäude.
Deutschland ist reich an Museen, in einem Ausmaß, das die meisten Länder der Welt übertrifft, und all diese Museen erfüllen eine gemeinsame Funktion: die Weigerung, das Geschehene zu vergessen, selbst wenn es schmerzhaft, beschämend und verheerend war.
Deutschland ist kein Land, das seine Geschichte allein in Büchern bewahrt, sondern im öffentlichen Raum selbst.
Seine Museen und Mahnmale sind kein Feiern der Vergangenheit, sondern eine fortwährende Übung darin, sie nicht zu vergessen.
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Und das Museum der verlorenen Tage — das imaginäre Museum, in dem dieser Roman spielt — bildet keine Ausnahme von diesem Zusammenhang, sondern dessen Fortsetzung.
Es ist das Museum, das bewahrt, was Museen nicht bewahren können:
die persönlichen Erinnerungen, die Tage, die keine Kamera festgehalten und kein Archiv dokumentiert hat, die kleinen Entscheidungen, die das Leben eines einzelnen Menschen verändert haben, ohne dass irgendjemand davon wusste.
In Deutschland trägt diese Art des Gedächtnisses ein doppeltes Gewicht, und vielleicht ist die deutsche Geschichte eine der deutlichsten Erfahrungen, die gezeigt haben, wie sich das Schweigen Einzelner mit der Zeit in kollektive Katastrophen verwandeln kann.
Es gibt noch einen weiteren, nicht minder wichtigen Grund:
Deutschland ist heute eines der größten Aufnahmeländer der Welt für Geflüchtete, und im Herzen seiner neuen, sich wandelnden Gesellschaft leben Hunderttausende Syrer, die in ihren verbliebenen Händen Bruchstücke des Gedächtnisses einer Jahrtausende alten Zivilisation tragen.
Dieser fruchtbare Widerspruch zwischen deutschem Boden, der versucht, die Wunden seiner Vergangenheit zu heilen, und syrischen Seelen, die die Wunden ihrer Gegenwart tragen — ist die Begegnung, die der Roman in einem einzigen erzählerischen Augenblick verkörpert.
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— Drittens: Der syrische Flüchtling und die Besonderheit Syriens
Als ich nach einem Helden für diesen Roman suchte, suchte ich nach einem Menschen, der in sich zwei Zeiten trägt: ein in die Tiefe der Geschichte reichendes Gedächtnis und ein Leben, das sich im Herzen einer der jüngsten westlichen gesellschaftlichen Erfahrungen formt.
Syrien ist nicht bloß ein Staat; es ist das Gedächtnis eines Ortes, wenn es länger währt als das Leben von Staaten, wenn Geschichte sich von einer erzählten Erzählung in ein lesbares Land verwandelt.
Und Damaskus, die in den Augen vieler Historiker als die älteste ununterbrochen bewohnte Hauptstadt gilt, ist nicht nur Zeugin der Geschichte; sie trägt sie in ihren Steinen und Gassen, wo man über Schichten der Zeit geht, nicht allein über Erde.
Warum also gerade der syrische Flüchtling, und nicht ein Flüchtling von irgendeinem anderen Ort?
Weil sich in genau dieser Figur der größtmögliche symbolische Gegensatz versammelt, den die heutige Welt kennt:
der Erbe der ältesten Zivilisationen der Erde, vertrieben aus dem Land seiner Vorfahren, lebt eine Gegenwart, aufgehängt zwischen einem Gedächtnis, das er nicht vollständig zurückgewinnen kann, und einer Zukunft, die er nicht vollständig sichern kann.
Der syrische Flüchtling trägt nicht nur einen Koffer.
Er trägt in seinem Inneren Ugarit und Palmyra und Aleppo und die Ghouta, er trägt den Klang des Gebetsrufs in der Umayyaden-Moschee und die Kirchen in Maalula und die Feste arabischer Identität im Gedächtnis.
Und genau dieser Gegensatz ist es, der am ehesten geeignet ist, die ganze Frage des Romans zu tragen.
Denn der persönliche Gedächtnisverlust Samers lässt sich nicht losgelöst lesen vom kollektiven Gedächtnisverlust, der sein ganzes Volk getroffen hat.
Wer vertrieben wird, verliert nicht nur ein Zuhause; er verliert den gesamten Kontext, in dem sein Gedächtnis lebte — die Gassen, die ihm beigebracht haben, sich zu erinnern, die Gesichter, die ihn daran erinnerten, wer er ist, die Stimmen, die ihm bewiesen, dass er nicht vergessen hatte.
Wird einem Menschen dieser Kontext entrissen, bleibt das individuelle Gedächtnis in einer Luft hängen, die keinen Boden hat.
Samer ist also nicht nur ein Mensch, der nach einem einzigen Tag sucht, den er in seinem Leben verloren hat.
Er ist ein verkleinertes Abbild von Millionen Söhnen seines Volkes, die nach einem ganzen Leben suchen, das sie verloren haben.
Und in dieser Ähnlichkeit zwischen dem Kleinen und dem Großen, zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven, liegt das Herz dieses Romans.
Ich hätte einen gebildeten europäischen Helden wählen können, der eine bequeme Identitätskrise in einer eleganten Wohnung durchlebt.
Doch ich wählte den syrischen Flüchtling, weil seine Krise kein existenzieller Luxus ist.
Sie ist ein Notfall, eingeklemmt zwischen einer nicht zurückgewonnenen Vergangenheit und einer Gegenwart, in der er noch keinen festen Stand gefunden hat.
Und wenn er am Ende seiner Reise entdeckt, dass sein verlorener Tag keine Abwesenheit war, sondern eine ängstliche Entscheidung, trägt diese Entdeckung eine weit umfassendere Botschaft:
Selbst in den tiefsten Zuständen kollektiver Verlorenheit gibt es kleine, individuelle Entscheidungen, die uns allein gehören geblieben sind, die niemand uns entreißen konnte.
Und diese kleinen Entscheidungen sind das, worauf wir bauen, wenn die Zeit des Bauens kommt.
Denn vielleicht waren die verlorenen Tage nie wirklich verloren; sie warteten nur darauf, dass wir sie bei ihrem Namen erkennen: unsere Tage.
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Numan Albarbari .
Backnang — Deutschland .
